Die Welt stand vor dem Abgrund.
Lukas Maisel wurde 1987 in Zürich geboren. Seine zwei bisher erschienenen Romane wurden von der Leserschaft sehr positiv aufgenommen und von den Kritikern ausgezeichnet. Das könnte auch bei „Wie ein Mann nichts tat und so die Welt rettete“ der Fall sein. Schon der Titel macht neugierig und die lediglich etwas über 100 Seiten sind dann auch wahrlich keine Enttäuschung.
17 Minuten am 26. September 1983
Oberstleutnant Stanislaw Petrow übernimmt die Nachtschicht für seinen erkrankten Kollegen. Die beiden arbeiten nicht in irgendeiner Kaserne, sondern in einer geheimen Anlage, welche die Atomraketen der Sowjetunion steuert. In dieser Nacht kommt es zum gefürchteten Alarm „CTAPT“, der einen Erstschlag der Amerikaner bedeutet. Doch Petrow zögert mit dem Befehl die eigenen Atomraketen loszuschicken. Dass es die Menschheit heute noch gibt, zeigt, dass er bis zum Schluss bei dieser Entscheidung blieb.
Zurück in den Kalten Krieg
Maisels drittes Buch ist eine halbdokumentarische Novelle, die uns in die Zeit des Kalten Krieges zurückführt. Oberstleutnant Stanislaw Petrow ist eine historische Person, deren Verhalten am 26.9.1983 erst nach dem Zerfall der Sowjetunion und in Zeiten von Glasnost und Perestroika öffentlich wurde. Bis dahin wurde über den Vorfall geschwiegen und Petrow musste sogar als Sündenbock seine militärische Laufbahn beenden. Maisel muss diesen Tatsachen zwangsläufig noch einiges an Fiktion hinzufügen, um die Person Petrow auszufüllen. Neben den erschreckenden Tatsachen trägt aber auch das dazu bei, die Geschichte spannend zu machen.
Spannend obwohl das Ergebnis bekannt ist
Unsere Existenz ist der Beweis für Petrows endgültige Entscheidung nichts zu tun.
„Nach den Sekunden der Schockstarre wurde der Bunker zu einem Ameisenhaufen. … Und was tat Stanislaw Petrow? Er saß in seinem Drehsessel und übte sich im Abwarten.“
Schon in den ersten kurzen Kapiteln haben wir Petrow und seine Familie kennengelernt, doch nun graben wir uns sozusagen in Petrow ein. Wir folgen seinen Gedanken und auch seiner eigenen Angst falsch zu liegen. Schach spielt hier eine Rolle, aber auch die Tatsache, dass Petrow an den Algorithmen des Computers mitgearbeitet hat. Und man fühlt die eigene Angst, bei der Vorstellung, was alles möglich gewesen wäre.
Maisel fängt die Leserschaft mit dem Thema sofort ein und hält die Spannung, nicht zum Schluss auch wegen seiner einnehmenden Fabulierkunst, bis zum Ende. Das ist für Petrow umso tragischer, weil er den Kopf für ein fremdes Versagen hinhalten muss, was zum Auslöschen der Menschheit hätte führen können. Und so hatte seine Frau Raisa doch recht als sie ihm prophezeite: „Dein Abwarten wird dich noch einmal in Schwierigkeiten bringen“.
Fazit
Lukas Maisel lässt uns mit Stanislaw Petrow die 17 alles entscheidenden Minuten am 29.9.1983 erleben und erzählt in etwas über 100 Seiten Zeitgeschichte, die ebenso spannend, wie warnend ist. „Wie ein Mann nichts tat und so die Welt rettet“ erhält von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung!

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