Wie Risse in der Erde

  • Piper
  • Erschienen: April 2025
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Wie Risse in der Erde
Wie Risse in der Erde
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Marianne Schäper-Mürmann
781001

Belletristik-Couch Rezension vonApr 2025

Verpasste Chancen und ihre Folgen.

Es ist die Geschichte einer leidenschaftlichen Liebe, die aufgrund von Missverständnissen und falschem Stolz vor Jahren abrupt endete. Jetzt treffen sich Beth und Gabriel wieder und hoffen auf eine zweite Chance für ihre Liebe. Sie können jedoch den Verstrickungen aus früheren Zeiten nicht entfliehen.

Eingeholt von der Vergangenheit

Die Geschichte spielt im Jahr 1968 im englischen Dorset, wo Beth mit ihrem Mann Frank eine Farm führt. Ihr gemeinsames Leben ist überschattet vom tödlichen Unfall ihres Sohnes Bobby, für den sich Frank die Schuld gibt. Als ihre Jugendliebe, der inzwischen erfolgreiche Schriftsteller Gabriel, nach seiner Scheidung mit seinem Sohn Leo in die Nähe der Farm zieht, kommen sich Beth und Gabriel schnell wieder näher und erkennen bald, dass sie sich noch immer lieben. Beth stürzt sich in eine erneute Beziehung zu Gabriel und fragt sich, ob es eine zweite Chance für sie beide gibt. Aber sie liebt auch jetzt noch ihren Mann Frank. Bevor sie jedoch eine Entscheidung treffen kann, gibt es einen Toten und es kommt zum Prozess.

„Eine Lüge war der Kern von allem“

Mit diesem Todesfall beginnt der Roman, allerdings ohne zu benennen, wer Opfer und wer Täter ist. Geschickt hält die Autorin die Spannung aufrecht, indem sie Beth in kurzen, immer wieder eingeschobenen, Kapiteln über die ersten Befragungen und die Vorbereitungen für den Prozess berichten lässt. Erst gegen Schluss des Buches wird das Geheimnis gelüftet und überrascht mit der Lösung.

Daneben erzählt Beth in Rückblenden, beginnend im Jahr 1955, einfühlsam die Geschichte ihrer Liebe zu Gabriel und ihrer späteren Ehe mit Frank, bis zu Bobbys schmerzlichem Tod. Parallel dazu schildert sie in eingängiger Sprache, jedoch etwas sehr gefühlsgewaltig, ihr nach dem unerwarteten Wiedersehen schnell wiederauflebendes Liebesverhältnis zu Gabriel und den Konflikt, in den sie dadurch stürzt. Geschickte Andeutungen, dass noch nicht alles aus der Vergangenheit erzählt wurde, lassen eine Geschichte hinter der Geschichte vermuten, sorgen für anhaltende Neugierde und bestätigen sich mit einem unerwarteten Geständnis.

Die Darstellung der Charaktere gelingt allerdings nicht vollständig. Neben einzelnen Nebenfiguren werden gerade auch die Hauptfiguren Frank und Gabriel recht klischeehaft präsentiert. Auf der einen Seite ist da der selbstlose, ehrenhafte und gütige Farmer Frank. Gabriel ist dagegen der schöne, reiche Snob, der als erfolgreicher Autor von Liebesromanen glänzt. Die Figur der Beth mit ihrer Liebe zu beiden Männern wird glaubhaft entwickelt, ihre Zerrissenheit zwischen den beiden Männern spiegelt sich in ihren Eigenschaften. So ist sie zum einen die fleißige, gut organisierte, naturliebende Farmersfrau. Im Zusammensein mit Gabriel dagegen die leidenschaftliche Geliebte, die die Poesie liebt und gern selber Gedichte schreibt.

Der fesselnde Erzählstil und die unerwarteten, geschickt eingebauten Wendungen der Geschichte entschädigen für den etwas zu konstruiert wirkenden Handlungsentwurf des Romans.

Fazit

Die passende Lektüre für alle, die Lesestoff mit viel Herz, Dramatik und Spannung lieben.

Wie Risse in der Erde

Clare Leslie Hall, Piper

Wie Risse in der Erde

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